Ákos Czigány
Anweisung
2013/2026
Csikász-Galerie
Ein Werk, das aus historischen Daguerreotypien besteht, die mit zeitgenössischer Technologie nachgebildet wurden – archaisch aussehende zeitgenössische Repliken.
Eine konzeptuelle fotografische Arbeit, die von Fotografie und Verschwinden spricht, von den Anfängen und Enden der Bildproduktion, von Kunst und Tod, durch Gesten der Aneignung, die Aussetzung der Autorensubjektivität und Anachronismus.
daguerreotype
Von den Daguerreotypien, die der amerikanische Fotograf Matthew Brady (ca. 1823–1896) in den 1840er–60er Jahren schuf, sind viele inzwischen so stark verfallen, dass das, was sie einst darstellten, kaum noch erkennbar ist.
Diese Verschlechterung des Bildes ist dem Prozess selbst inhärent; Die Erhaltung von Daguerreotypien bleibt bis heute eine technische Herausforderung.
Die Daguerreotypie war einer der frühesten und vielleicht bemerkenswertesten fotografischen Prozesse. Sein Erfinder, Daguerre, arbeitete parallel und in Kontakt mit Niépce, dem Hersteller der frühesten heute bekannten Fotografie (1826).
Vervielfältigung
Die Bildserie stellt Bradys erhaltene Porträt-Daguerreotypien – nur in beschädigtem Zustand erhalten – in ähnlichem Format auf reflektierenden silberfarbenen Metalloberflächen nach.
Da die ursprünglichen Bilder fast vollständig zerstört wurden, sind ihre weitere Wiedergabe und Darstellung am Ende bedeutungslos. Im Gegensatz dazu wird die industrielle Vervielfältigung handgefertigter Bildobjekte zu einer paradoxen Geste, wodurch abstrakte Flecken und Tonfelder den Platz früherer Repräsentation einnehmen. Das Vergehen der Zeit selbst tritt als die hauptsächliche bildermachende Kraft hervor. Die Geschichte der Fotografie ist eine Schicht dieser vergehenden Zeit.
Zerstörung
In dieser konzeptuellen fotografischen Arbeit trifft eine künstlerische Reflexion über die Grenzen der Bildlichkeit und über die Darstellung der menschlichen Figur (eine Form der Selbstbeherrschung) auf kulturkritische Ansätze zur Fotografie (Walter Benjamin, Jacques Ellul, Vilém Flusser). Relevante Passagen aus dem großen Roman von Thomas Bernhard werden den Bildern als ironisches, extremes und sich selbst aufhebendes künstlerisches Credo (ars poetica, statement) zugeordnet. Die freiwillige Zerstörung der Daguerreotypien wird damit der zerstörerischen Wirkung, die der Fotografie – ihrer Feindseligkeit gegenüber Menschen, Kunst und Kultur – immer wieder zugeschrieben wird, parallel gesetzt.
Konfrontation
Die zentralen Themen des Werkes leiten sich aus den Ideen der (philosophischen) Endlichkeit und der (biblischen) Eitelkeit ab. Es ist zugleich eine erhabene und ironische Konfrontation mit der Vergänglichkeit, mit dem Gesicht der Zeit. In technischer Hinsicht kann die Daguerreotypie tatsächlich als bildliche Fixierung eines Gesichts angesehen werden, das in einem Spiegel erscheint und in diesen blickt.
Eine interessante Parallele ist, dass – ähnlich wie bei der Erfindung der fotografischen Technologie – die Verbreitung der industriellen Spiegelproduktion auch mit Frankreich verbunden ist (nach dem dramatischen Erwerb venezianischer Werkstattgeheimnisse).